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Innovation Act, 28. Regime: Impulse für das Startup-Ökosystem
1. August 2025
Eine grundlegende Verbesserung der Situation von neuen Unternehmen zählt zu den deklarierten Prioritäten der Europäischen Kommission (EK), um die Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union wieder auf globales Niveau zu heben. Über den Sommer sind dazu gleich zwei legislative Vorhaben auf den Weg gebracht worden: der European Innovation Act und das 28th Regime.1 Beide sollen die Rahmenbedingungen verbessern, mit denen unter anderem ein besserer Zugang zu Finanzierung, eine unionsweite Rechtsform, und weitere regulative Maßnahmen verbunden sind.
Das Thema ist schon seit längerem virulent und hat mit dem so genannten Draghi-Report2 vor einem Jahr neue Dringlichkeit erfahren, die sich nicht zuletzt im Competitiveness Compass niedergeschlagen hat. Als einen bedeutenden Zwischenschritt hat die EK dazu Ende Mai 2025 eine Startup- und Scaleup-Strategie veröffentlicht, die Voraussetzungen benennen soll, um europäische Startups den Aufstieg zu global wettbewerbsfähigen Playern zu ermöglichen. Aufgrund seiner zentralen Stellung ist es gerechtfertigt, die Strategie nochmals kurz zu analysieren.
Inhaltlich umfasst die Strategie fünf Aktionsschwerpunkte, die jeweils zentrale Handlungsempfehlungen beinhalten: (i) Smarter, Founder-Friendly Regulation, (ii) Better Access to Finance, (iii) Market Access and Public Procurement, (iv) Talent and Skills und (v) Infrastructure and Support Ecosystem. Grundsätzlich greift die Strategie jene Herausforderungen auf, die in den vergangenen zehn Jahren in Europa als zentral identifiziert wurden, wie beispielsweise die Finanzierung in der Spätphase, regulatorische Hürden und der Mangel an Talenten.
Eine Stärke der Strategie besteht im Ziel, zentrale Rahmenbedingungen innerhalb der EU stärker zu harmonisieren, wie etwa im Bereich der Unternehmensgründungen. Eine solche Harmonisierung könnte entscheidend dazu beitragen, die grenzüberschreitende Skalierung von Startups zu erleichtern. Dies ist deshalb so wichtig, weil Europa gerade in der Wachstumsphase (Scaleup-Phase) bislang deutlich hinter führenden Innovationsländern wie den USA oder China zurückbleibt.
Dennoch beinhaltet die Strategie auch eine Reihe von Risiken – wie etwa die Umsetzungsunsicherheit, da viele der angedachten Maßnahmen die Kooperation aller Mitgliedstaaten voraussetzen. Mangelnde Kooperation könnte die Implementierung zentraler Reformprojekte entsprechend erschweren.
Herausforderungen: IPO-Märkte, Kapitalmarkt und Steuerpolitik
Nach wie vor steht der Exit-Markt in Europa vor großen Herausforderungen. FORWIT-Ratsmitglied Georg Kopetz meint dazu: „Die IPO-Märkte sind weniger liquide und deutlich kleiner als bspw. die NASDAQ. Zudem gibt es im Vergleich zu den USA und China wesentlich weniger große europäische Tech-Konzerne, die als potenzielle Käufer in Frage kommen. Auch die Risikoaversion ist in Europa erheblich höher als in den USA, China oder Indien.“
Hinzu kommt der fragmentierte Kapitalmarkt. Laut Invest Europe und OECD liegt das Venture Capital-Investment pro Kopf in der EU deutlich unter dem der USA und UK. In Europa gibt es mehr Seed-Finanzierungen, aber weniger Series B+ oder Growth Capital. Große Unicorns (Bewertung > € 1 Mrd.) entstehen dadurch seltener, zum Teil auch, weil Startups früher verkaufen oder abwandern – und das schlägt sich nicht zuletzt in einer im Vergleich zu den USA niedrigeren Produktivität nieder.
Neben diesen strukturellen Marktbedingungen spielt die steuerpolitische Ausgestaltung eine entscheidende Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Wachstumsunternehmen: so kommt der IMF im Hinblick auf die Produktivitätslücke Europas zu den USA zum Schluss, dass die derzeitige Steuerstruktur in Europa im Hinblick auf die Förderung schnellwachsender Firmen nicht optimal ist.3 Eine effizientere Förderung von Unternehmenswachstum erfordert das Vermeiden größenabhängiger steuerlicher und regulatorischer Anreize für Unternehmen bzw. eine engere steuerliche Ausrichtung von Anreizen auf die F&E-Investitionen von Unternehmen.4 Dies könnte beispielsweise durch vorzeitige Abschreibungen und Steuergutschriften für F&E-Investitionen erfolgen und nicht in Form breiter Senkung der Körperschaftssteuer oder indirekter Unternehmensförderung. Steuerliche Anreize für Forschung und Entwicklung können so gestaltet werden, dass sie junge, innovative Unternehmen unterstützen.5
Der richtigen Ambition muss die richtige Umsetzung folgen
Mit der Startup- und Scaleup-Strategie will die EU Europa zu einer aktiven Plattform für die Entstehung und Verbreitung von Innovationen weiterentwickeln. Sie spielt mit einer Reihe anderer im Competitiveness Compass genannten Aktivitäten zusammen, die alle unter dem Schlagwort Wettbewerbsfähigkeit rangieren. Diese Umsetzungsschritte auf europäischer Ebene werden zeigen, wie gut die an sich richtigen Ambitionen gelingen. Denn auch wenn die Strategie vereinfachte Regelwerke und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen in Aussicht stellt, besteht das Risiko einer erhöhten Regulierung – etwa durch den steigenden bürokratischen Aufwand bei der Umsetzung und Anwendung der in der Strategie in Aussicht gestellten Fördermaßnahmen.
Ganz grundsätzlich ist anzumerken, dass darauf geachtet werden sollte, Ressourcen nicht zu sehr auf zahlreiche kleinteilige Initiativen zu verteilen und anstatt dessen gezielt wenige, dafür aber international wettbewerbsfähige Scale-ups zu fördern. Der FORWIT wird – nicht zuletzt aufgrund der eingangs genannten legislativen Initiativen – auch im Rahmen des Arbeitsschwerpunktes Wettbewerbsfähigkeit in FTI der Frage nach einer Verbesserung des Ökosystems für Startups und Scaleups verstärkt nachgehen.
Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wider, nicht notwendigerweise die des FORWIT.
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- Zu beiden Initiativen können derzeit im Rahmen einer Public Consultation Stellungnahmen an die Europäische Kommission übermittelt werden. Für das 28th Regime hier (Ende: 30. September) und für den European Innovation Act hier (Ende: 3. Oktober 2025).↩
- Für eine Zusammenfassung des Berichts siehe König, T. (2024), Zusammenfassung und Ausblick: Draghi-Bericht, FORWIT.↩
- siehe International Monetary Fund (2024), Regional Economic Outlook: Europe’s Declining Productivity Growth: Diagnoses and Remedies, Note 1, November 2024.↩
- siehe Benedek, D/Pragyan D/Garcia B/Saksonovs, S/Shabunina A/Budina N (2017), “The Right Kind of Help? Tax Incentives for Staying Small”, IMF Working Paper 17/139.↩
- siehe Mitchell, J/Testa G/Sanchez Martinez, M/Cunningham, P/Szkuta.K (2020), “Tax incentives for R&D: supporting innovative scale-ups?”, Research Evaluation 29(2), pp. 121–134).↩


