„Bauen wir die Zukunft, statt die Vergangenheit zu verteidigen“

Transkript der Rede der stellvertretenden Vorsitzenden Sylvia Schwaag Serger beim Neujahrsempfang des FORWIT am 26. Jänner 2026.

Begleitende Präsentation zur Rede [PDF]

Es ist ein bisschen ein trauriger Abend für mich. Vor zehn Jahren wurde ich angerufen – ich war damals in Peking – und gefragt, ob ich Interesse hätte, in den Rat für Forschung und Technologieentwicklung zu kommen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe Ja gesagt, weil mir die deutsche Sprache gefehlt hat. In den letzten zehn Jahren habe ich Österreich aber wirklich kennen und lieben gelernt, und es wird mir schwerfallen, den Rat zu verlassen. Aber ich werde Österreich auch weiter verbunden bleiben. Da es heute also das letzte Mal ist, dass ich mich hier in diesem Kontext an Sie wende, möchte ich den Fokus meiner Rede etwas weiter fassen.

Technologie, Geopolitik und Zukunft

Ich möchte mit einem Buch beginnen, das ich über Weihnachten wiedergefunden habe, als ich versuchte, diese Welt zu verstehen: When Trust Breaks Down von 1990. Zum ersten Mal habe ich es gelesen, als ich in Bologna Internationale Beziehungen studiert habe. Ein Zitat fand ich damals besonders wichtig, und heute noch viel mehr: „Adherence to commitments promotes harmony between states. The inclination to disregard does not. A world without honor is a world without order. To keep peace, allies would be advised to keep promises.“

Die Geschehnisse der letzten zwei Wochen – und damit meine ich die Grönland-Episode, die wir hoffentlich in der Geschichte als solche bezeichnen werden – haben uns mit aller Deutlichkeit gezeigt: Die Welt ist anders als vor einem Jahr. Es ist eine Welt, in der der Nobelpreis käuflich geworden ist, in der achtzigjährige Allianzen untergraben werden und die internationale regelbasierte Weltordnung ersetzt wird durch das Recht des Stärkeren. Diese letzten zwei Wochen haben uns auch gezeigt, wie eng Wirtschaft, Geopolitik, Technologie und Sicherheit miteinander verwoben sind – und wie sie gegeneinander ausgespielt werden können.

„Wenn Xi Jinping davon spricht, dass die Welt sich maßgeblich verändern wird, dann redet er mit Zuversicht. Und wir reden oft mit Sorgen.“

Wir sind in einer neuen Weltordnung. Vor einem Jahr, im Oktober 2024, haben wir den Heitor-Bericht geliefert, zur gleichen Zeit kam der Draghi-Bericht. Seither ist viel passiert. Wir haben drei Militärparaden gesehen: China, USA, Russland. Und ich glaube, ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welche bei weitem die beeindruckendste war – die chinesische. Ich möchte aber auch an eine Aussage von Xi Jinping aus dem Jahr 2018 erinnern: „From the mechanization of the first industrial revolution in the 18th century to the electrification of the second industrial revolution to the informatization of the third industrial revolution – rounds of disruptive innovation have fundamentally changed the development trajectory of human history.“

Was ich an diesem Zitat interessant finde: Wir wissen, dass die technologische Disruption unser Leben maßgeblich verändern wird, und ob das positiv oder negativ wird, liegt bei uns. Aber wenn Xi Jinping davon spricht, dass die Welt sich maßgeblich verändern wird, dann redet er mit Zuversicht. Und wir reden oft mit Sorgen.

Technologie als Treiber des Wandels

„Unsere geopolitischen Probleme fußen in der technologischen Disruption.“

Diese Veränderung in der Weltordnung wird vorangetrieben von Geopolitik, vom Rückgang der Demokratie – was auch Bundesministerin Holzleitner vorhin angesprochen hat –, vom Klimawandel und dem Anthropozän. Aber vor allem, würde ich sagen, von der Technologie. Bei einem High-Level-Event in Stockholm neulich sagte jemand: „Es ist so ein unglücklicher Zufall, dass diese geopolitischen Probleme gleichzeitig mit dieser technologischen Disruption passieren.“ Ich würde behaupten: Unsere geopolitischen Probleme fußen in der technologischen Disruption. Und das müssen wir verstehen.

In seinem Artikel in der New York Times vor ein paar Wochen hat Thomas Friedman das sehr gut ausgedrückt, als er vom „Polycene“ – in Anlehnung an das Anthropozän – sprach und meinte: „Science, technology, and politics are interacting in a way and at a pace not seen before.“ Das, glaube ich, ist in einem Satz die Grundherausforderung für unsere Demokratien.

Der Transformationsforscher Jan Rotmans hat ganz richtig gesagt: „It’s not an era of change, it’s a change of eras.“ Und Technologie treibt diese Änderungen voran. Gleichzeitig entsteht Technologie nicht in einem Vakuum. Um Bruno Latour, einen bekannten Soziologen, zu zitieren: „Technology is society made durable.“ In dieselbe Richtung argumentieren auch der Nobelpreisträger des letzten Jahres, Daron Acemoglu, und seine Kollegen, wenn sie sagen, dass es unsere Aufgabe ist, die Technologie einzurahmen – wir sind dafür verantwortlich, ob die Technologie uns Nutzen bringt oder Schaden und ob sie die Gesellschaft baut, die wir wollen.

Die Quelle neuer Technologien ist die Wissenschaft, und wissenschafliche Grundprinzipien sind global – ganz besonders trifft das auf die Naturwissenschaften zu, denn die Sozialwissenschaften sind nie so global gewesen wie die Naturwissenschaften. Aber Politik wird zunehmend nationalistisch. Wie wir mit diesem Spannungsfeld umgehen ist eines meiner Forschungsfelder. Die Rückkehr von Sicherheitsbedrohungen und Krieg in Europa ist ein Zeichen und eine Konsequenz der neuen Zeiten, mit denen wir es zu tun haben.

In unserem Heitor-Bericht haben wir geschrieben: Wenn wir von Wettbewerbsfähigkeit reden, reden wir oft von der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Aber ich würde sagen, es geht um viel mehr. Es geht um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Systeme. Wir sind in einem strategischen Wettbewerb, wo es um die Macht der Ideen geht, die Macht des Narrativs, die Überzeugungskraft und die Mobilisierungskraft.

Ich sehe das an meiner Akademie. Wir bekommen eine chinesische Delegation nach der anderen, die uns davon überzeugen will, dass China die stabile Großmacht ist, die verantwortungsbewusste Großmacht. Und es sei an der Zeit, dass wir das alle einsehen und uns einfügen in dieses neue Weltensystem. Das ist es, was ich meine mit strategischem Wettbewerb.

Wenn ich die CEOs der führenden schwedischen Unternehmen danach frage, was sie umtreibt, sagen sie mir, „die USA – das ist ein bisschen irritierend, ein bisschen unberechenbar, ein bisschen instabil. Aber unser großes Problem ist China. Wenn wir nicht wissen, wie wir mit China umgehen, sind wir in zehn Jahren kein Industrieland mehr.“ Europa muss sich bewusst machen: Den Vorsprung europäischer Länder hat China mit großer Geschwindigkeit eingeholt.

Was macht China erfolgreich?

Was macht China richtig? Wenn China Prioritäten setzt, mobilisiert es nicht nur die gesamte Regierung, sondern das gesamte Land. Wenn wir – jetzt rede ich mal von Schweden, dann wird’s nicht so persönlich – wenn wir Prioritäten setzen, ist es nicht die Mobilisierung des ganzen Landes. Es sind nicht Tausende von Hebeln, die in Gang gesetzt werden, um diese Priorisierung Wirklichkeit werden zu lassen.

„China identifiziert und reduziert Abhängigkeiten, und stärkt gleichzeitig die eigene Unentbehrlichkeit.“

China macht seit zehn Jahren, spätestens seit der „Made in China 2025“-Strategie, aber auch schon früher, ganz gezielt Folgendes: Abhängigkeiten identifizieren und reduzieren, und gleichzeitig die eigene Unentbehrlichkeit stärken. Ich glaube, das ist etwas, worauf wir uns auch mehr konzentrieren müssen. Worin sind wir in Europa unentbehrlich, und wie können wir uns noch unentbehrlicher machen?

Dann das Leapfrogging. Als ich vor zwanzig Jahren das erste Mal in China war, hat man schon damals gesagt: „Ja, wir wissen, wir können beispielsweise beim Verbrennungsmotor nicht aufholen, da ist Europa, sind uns die USA voraus. Deshalb fragen wir uns: Was ist die nächste Technologiefront und wo liegt sie?“ Ich glaube, das sollten wir uns auch zutrauen.

Das Letzte: Ich habe viele chinesische Minister getroffen, und man meint immer, man muss extrem höflich sein. Ich habe dann immer ausgedrückt, wie beeindruckend China sei. Was mich dann aber wirklich beeindruckte, war die Antwort. „Wir brauchen nicht dieses Geplänkel. Sagen Sie uns, was wir besser machen können.“ In Europa passiert mir das nicht so oft.

Was bedeutet das für Europa?

Die Schlüsseltechnologie-Initiative ist fantastisch, aber sehr viele Länder haben die gleichen Technologien identifiziert. Das heißt nicht, dass Österreich es nicht machen soll – auf jeden Fall, Österreich hat auch einzigartige Stärken. Aber wir müssen immer daran denken: Bei diesen neuen Technologien zählt Größe. Deswegen müssen wir mit anderen zusammenarbeiten.

Im Industrial R&D Investment Scoreboard 2025 werden die zweitausend Unternehmen, die am meisten in Forschung und Entwicklung investieren, gelistet. Viele aus der EU sind nicht darunter, und die Top 4-Firmen aus der EU sind in der Automobilbranche. Da liegt eine enorme Herausforderung vor uns. Wenn wir die Liste nach Ländern gruppieren, ist Deutschland in der EU führend, danach kommt Frankreich, danach Schweden, wesentlich weiter unten folgt Österreich. Ich finde, das ist eine ziemlich erhellende Statistik.

Was kann Europa, was können wir tun? Ich habe es so zusammengefasst: Europe is overregulated and underpowered. Wir müssen gemeinsam in unsere Stärken und in die Zukunft investieren (Stichwort Unentbehrlichkeit), Technologieanwendung fördern, die „Magnifizenz der Wissenschaft wiederentdecken“, kreative Zerstörung bejahen, die regelbasierte Weltordnung verteidigen, andere Märkte erschließen (Indien, Mercosur, CPTPP usw.) und den Binnenmarkt realisieren. À propos magnificience of science empfehle ich den Artikel „The Counter-Reformation of science“.

„Es ist ein Problem, dass wir immer meinen, wir müssten alles selbst erfinden.“

Viel mehr auf Technologiediffusion und Anwendung setzen. Es ist ein Problem, dass wir immer meinen, wir müssten alles selbst erfinden. Historisch sieht man, dass das nicht der Fall ist. Das Land, das die Technologien entwickelt, ist nicht notwendigerweise das Land, das davon profitiert. Und natürlich der Single Market. „Europa hat Angst vor seiner eigenen Macht“, das sagte die ukrainische Botschafterin bei der jährlichen Sicherheitskonferenz in Schweden – was ich sehr wichtig und sehr richtig fand.

Ich habe die letzten zwei Jahre damit verbracht, mit ein paar Autoren – Soete, Johan Flenner, Michael Landabaso – und basierend auf Beiträgen einer Gruppe von Experten, eine Schrift zu verfassen: Capitalism, Sustainability and Democracy [erscheint in Kürze, Anm. Red.] – in Anlehnung an Schumpeters Capitalism, Socialism and Democracy. Wir sehen Europas Chance darin, dass Europa die einzige Region ist, die diese drei Eckpfeiler dieses Dreiecks produktiv miteinander verbinden kann.

Die USA geben Nachhaltigkeit gerade auf und wir wissen nicht, wie es um ihre Demokratie steht. China hat sich gegen die Demokratie entschieden und verfolgt jetzt sehr erfolgreich Kapitalismus, aber auch Nachhaltigkeit. Europa ist meiner Meinung nach die einzige Region, wo wir diese drei Eckpfeiler sinnvoll miteinander verbinden können. Aber momentan untergraben sie einander.

Österreich

Österreich hat viele Dinge, um die es andere beneiden. Das habe ich in den letzten zehn Jahren feststellen dürfen. Hier gibt es extrem viele kluge Köpfe und exzellente Forschung. Es hat solche Dinge wie das IST Austria oder den Complexity Science Hub, um den ich Österreich sehr beneide – seit Jahren versuche ich, in Schweden etwas Ähnliches zustande zu bringen. Den FTI-Monitor, den FTI-Pakt, und diese unglaublich beeindruckende Entwicklung der F&E-Quote – das sollte auch noch mal gesagt werden.

„Ist es wirklich eine Initiative für Schlüsseltechnologien, die die ganze Regierung mitträgt – und nicht nur die Regierung, sondern alle relevanten Akteure?“

Ich finde die Initiative für Schlüsseltechnologien extrem wichtig. Es ist ein wichtiges Signal, zu zeigen, dass man bereit ist, Prioritäten zu setzen. Aber ich frage mich auch: ist die Priorisierung effektiv? Da berufe ich mich wieder auf das, was ich über China gesagt habe: Ist es wirklich eine Initiative, die die ganze Regierung mitträgt – und nicht nur die Regierung, sondern relevante Akteure in Forschung, Wirtschaft, Gesellschaft, die mobilisieren und mitziehen?

Das wurde auch angesprochen: Wir haben eine neue Zeit. Aber entwickeln wir neue Werkzeuge, die es uns ermöglichen mit dieser neuen Zeit umzugehen? Ich würde sagen nein. Wir benutzen immer noch die gleichen Werkzeuge. Und das ist ein großes Problem.

Wir hatten am Montag ein Seminar, zu dem der schwedische Verteidigungsminister kommen sollte. 700 Leute hatten sich angemeldet. Er musste aufgrund von Grönland absagen. Aber was ich in den Gesprächen mit Leuten, die ganz oben in der schwedischen Regierung arbeiten, gehört habe – und was ich auch in anderen Kontexten immer häufiger höre: die nordischen Länder haben zunehmend das Gefühl, dass sie sich nur auf ihre Nachbarn verlassen können, dass Teile Europas nicht die existenzielle Sicherheitsbedrohung, die von Russland ausgeht, verstehen oder anerkennen. Und das macht mir Sorge, weil ich seit zehn Jahren finde, dass Österreich und die nordischen Länder viel Nutzen davon hätten, miteinander zusammenzuarbeiten. Aber im Moment wächst der Eindruck, die anderen Länder, nicht zuletzt Österreich, würden nicht verstehen, womit wir es zu tun haben, und sind nicht bereit, sich dafür aktiv und konkret einzusetzen. Vielleicht sind die nordischen und baltischen Länder die einzigen, auf die wir uns verlassen können. Und das macht mir Sorgen für den Zusammenhalt und die Zukunft Europas.

Wissen und Handeln verbinden

Joel Mokyr war einer der Nobelpreisträger, die wir in unserer Akademie willkommen heißen durften und ich hatte eine fantastische Erfahrung, ihn zu interviewen. Mokyr spricht immer von propositional and prescriptive knowledge. Das würde ich gerne auch Österreich mitgeben: Es reicht nicht, nur in der Grundlagenforschung gut zu sein. „You have to study things and you have to make things.“ Diese Verbindung ist das, was führende Länder auszeichnet.

„Wie steht es um die kreative Zerstörungskraft in Österreich?“

Dann würde ich mich anlehnen an den Nobelpreisträger Philippe Aghion, der über Schumpeters creative destruction geredet hat. Und hier würde ich gerne die Frage stellen, ob Österreich vielleicht ein bisschen strukturell konservativ ist, also konservative Strukturen hat? Und wie steht es um die kreative Zerstörungskraft in Österreich?

À propos creative destruction ist in meine Kopf eine Warnung eines ehemaligen Mitarbeiters im Office for Science and Technology Policy unter Obama und Biden ständig präsent. Er sagte: „Ich wünsche niemandem das, was wir jetzt mit unserem Präsidenten erleben. Aber ich wünsche mir, dass wir einige unserer Probleme ernsthafter angegangen wären, als wir die Chance hatten. Wir hatten reale Probleme im amerikanischen Forschungssystem, und indem wir sie nicht adressiert haben, haben wir an Glaubwürdigkeit (in die Wissenschaft aber auch in die Demokratie) verloren.“ Das ist etwas, was mich auch umtreibt in Bezug auf Europa: Wir müssen unsere Probleme adressieren, um nicht die Tür für etwas Ähnliches wie in den USA zu öffnen.

Dual Use und Zukunftsforschung

Hier wollte ich nur zeigen: Vinnova, die schwedische Innovationsagentur, hat gemeinsam mit der deutschen SPRIN-D einen Call for Proposals für Dual-Use-Anti-Drohnen-Initiativen oder -Werkzeuge gemacht. Ich finde diese Kollaboration zweier Innovationsagenturen aus zwei Ländern zu diesem Thema äußerst interessant und sinnvoll. Die schwedische Stiftung für strategische Forschung hat etwas Ähnliches – meines Wissens der erste offizielle Call for Proposals für Dual Use.

In meiner Akademie haben wir die Initiative Swedish Futures, schwedische Zukünfte, ins Leben gerufen. Wir müssen natürlich evidenzbasiert arbeiten, aber wir müssen uns auch die Zukunft vorstellen. Als erstes Mitgliedsland der EU haben wir daher genau die gleiche Technologieanalyse für Schweden bestellt, die dem Draghi-Bericht unterliegt. Der Bericht hatte einen großartigen Effekt: Auf einmal sprechen ganz andere Akteure über technologische Stärken und Schwächen Schwedens, als wir es eigentlich gewohnt sind.

Schlussworte

Ich bin am Ende. Was ich mitnehme: Wenn wir diese Zukunft für uns gestalten wollen, geht es um Selbstbewusstsein – in einem doppelten Sinne des Wortes: „know yourself“ und „believe in yourself“. Es geht um Vorstellungsvermögen, und es geht um Handlungskraft und Handlungswillen. Hier komme ich zurück auf Thomas Friedman, der gesagt hat: „The most adaptive, resilient and productive communities in the polity will be those that can assemble complex adaptive coalitions.“ Wir haben eine solche komplexe, adaptive Koalition ins Leben gerufen, in der wir die Gewerkschaften, die größten schwedischen Unternehmen und all die anderen Stakeholder zusammenbringen, um die Zukunft Schwedens in die richtige Richtung zu lenken.

Ich habe Österreichs Aufholjagd der letzten Jahre mit großem Interesse, großer Leidenschaft und großer Bewunderung verfolgt. Aber ich muss gleichzeitig sagen: Aufholen reicht nicht mehr. Ich glaube, wir in Europa haben die falschen Referenzrahmen. In Österreich will man immer aufholen zu den Innovation Leaders. Wer sind denn die Innovation Leaders der Zukunft? Ich glaube nicht, dass die heutigen europäischen Innovation Leaders notwendigerweise die zukünftigen globalen Innovation Leaders sind, wenn es so weitergeht. Wir müssen uns also überlegen: An wem und an was sollen wir uns orientieren?

Das sind einzigartige Zeiten. Joel Mokyr hat gesagt: „Don’t think out of the box. Break the box.“ Das würde ich mitnehmen, weil wir sonst nicht weiterkommen. Das andere ist ein größerer Fokus auf Ergebnisse und weniger auf Prozesse.

„Ich würde die Österreicher ermutigen, mehr an sich zu glauben. Österreich hat Europa wahnsinnig viel zu bieten.“

Abschließend will ich noch mal betonen: Es war mir eine riesige Ehre, Österreich dienen zu dürfen. Ich habe es getan, weil ich an Europa glaube und weil Europa Österreich braucht. Ein Appell an Österreich: Glauben Sie mehr an sich selbst. Die Schweden haben ein gesundes Selbstvertrauen, und das ist wichtig und positiv, besonders in Zeiten wie diesen. Es gibt Kraft, mutig zu agieren. Ich würde die Österreicher ermutigen, mehr an sich zu glauben. Österreich hat Europa wahnsinnig viel zu bieten, und es wird Zeit, dass Österreich wirklich selbstbewusst den Schritt macht vom Follower zum Leader – mit allem, was das beinhaltet.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin heute optimistischer als vor zwei Wochen. Die Antwort, die Europa auf die Grönland-Episode gezeigt hat, gibt mir Vertrauen. Deswegen hoffe ich, dass wir uns trauen, die Zukunft zu bauen, anstatt die Gegenwart und Vergangenheit zu verteidigen.

Vielen Dank.

 

Dies ist das Transkript einer Rede der stellvertretenden Vorsitzenden Sylvia Schwaag Serger zur Eröffnung des Neujahrsempfangs 2026 des FORWIT am 26. Jänner 2026 im österreichischen Parlament.