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Wissenschafts- und Forschungsstiftungen in Österreich
8 Oktober 2026
Am diesjährigen Stiftungstag stand das Thema Wissenschaft und Forschung im Zentrum der Diskussion. Neben vielen beeindruckenden Beispielen, wie – und aus welchen Gründen – gemeinnützige Stiftungen wissenschaftliche Forschung finanzieren, wurde auch eine Studie präsentiert, die erstmals die österreichische Stiftungslandschaft im Bereich Wissenschafts- und Forschungsförderung vermisst. Der FORWIT hat sich an dieser Studie beteiligt, weil gemeinnützige Stiftungen in einem nationalen Innovationssystem eine wichtige Rolle spielen können.
Als Beratungsgremium der Bundesregierung hat der FORWIT eine systemische Perspektive auf die Forschungsfinanzierung durch private, gemeinnützige Stiftungen, die in der Forschungsförderung tätig sind. Sie zeichnen sich zunächst einmal dadurch aus, dass sie einer anderen Rechtfertigungslogik unterliegen als staatliche Forschungsförderung. Letztere ist dem Steuerzahler und der Steuerzahlerin verpflichtet. Eine Stiftung hingegen kann in zweierlei Hinsicht Akzente setzen.
Potente Stiftungen: Österreich international eine Ausnahme
Zum einen bringen Stiftungsgelder nicht nur zusätzliches Geld, sondern auch thematische Schwerpunkte in die Forschung. Das ist eine Bereicherung, weil dadurch Themen beforscht werden können, die staatlich oft unterfinanziert sind (z.B. seltene Krankheiten) und durch private, gemeinnützige Stiftungen erst eine entsprechende Sichtbarkeit erlangen. Für die Forschenden selbst bieten sich dadurch mehr Anlaufstellen, wo sie ihre Forschungsprojekte zur Finanzierung einreichen können.
Zum Zweiten können gemeinnützige Stiftungen bei Entscheidungsverfahren innovativ sein, das heißt, neue Methoden ausprobieren und Auswahlverfahren ändern. Am bekanntesten ist vielleicht das „Experiment“ der deutschen Volkswagenstiftung, die teilrandomisierte Verfahren (eine Mischung aus Expert:innen-Jury und Losverfahren) eingeführt und auch wissenschaftlich begleiten ließ. Die Ziele solcher Experimente können unterschiedlich sein: agiler, mehr riskante Forschung identifizieren, den Begutachtungsprozess beschleunigen oder aber die Community der Begutachtenden zu entlasten. In der Regel sind die Erfahrungen, die hier gemacht werden, für das ganze System wertvoll und werden, wenn sie sich bewähren, auch von staatlichen Förderern aufgegriffen.
Wir wissen aus vielen Beobachtungen, dass eine Stiftung eine gewisse Größe, ein ausreichend professionelles Management und auch einen gewissen Erfahrungsschatz entwickelt haben muss, um diese Akzente in einem Forschungssystem zu setzen. Wir sehen diese Stiftungen hierzulande bisher noch nicht in ausreichendem Ausmaß. Damit ist Österreich eine Ausnahme, denn in fast allen anderen Ländern, die hinsichtlich ihrer F&E-Ausgaben auf einem ähnlichen Niveau sind, gibt es zahlreiche solche potenten Stiftungen.
Ein Blick nach Schweden
In dem Zusammenhang sei auf einen Policy Brief verwiesen, in dem sich Mikolaj Norek und Thomas König die Rolle der gemeinnützigen Stiftungen in Schweden etwas genauer angesehen haben, und zwar sowohl private gemeinnützige Stiftungen als auch öffentliche Stiftungen. Folgende Beobachtungen werden dabei geteilt.
Bei den privaten gemeinnützigen Stiftungen gibt es einige, die im Umfeld von Industriekonglomeraten stehen und die ganz gezielt und strategisch verwendet werden, um langfristig sicherzustellen, dass technologisches Knowhow auf Weltniveau weiterentwickelt wird, und auch, um Talente zu identifizieren und in gewissem Sinne auch über diese Stiftungen an die Konzerne zu binden. Das vom Konzern ins Stiftungsvermögen übertragene Kapital wird also sehr vorausschauend verwendet. Es ist nicht nur Philanthropie, die hier ausschlaggebend ist, vielmehr sollen auch Benefits für die Stiftung bzw.den dahinterstehenden Konzern generiert werden. Zugleich sind das auch Benefits für den Standort Schweden. In Österreich wurde die Bedeutung solcher Stiftungen für Forschungs- und Wissenschaftsförderung leider lange unterschätzt. Stattdessen bevorzugt das Rechtssystem eigennützige Privatstiftungen, die dazu dienen, Kapital im Land zu halten, ohne Anreize zu schaffen, Kapitalerträge für gemeinnützige Zwecken einzusetzen.
Dagegen wurden in Österreich seitens der Politik sehr wohl öffentliche Stiftungen und Fonds im Bereich der Forschungs- und Wissenschaftsförderung eingerichtet – dies ist durchaus im internationalen Trend erfolgt. Doch auch hier ist Schweden lehrreich, denn die dortigen öffentlichen Stiftungen und Fonds zeichnen sich durch drei bemerkenswerte Kriterien aus, die es ihnen ermöglichen, hohen Impact zu erzielen: Erstens eine hohe Autonomie dank eines eigenen Stiftungsvermögens, das jährliche Zinserträge abwirft. Zweitens ein professionelles Management, das die Anbahnung, Ausschreibung, Abwicklung von Forschungsförderung auf hohem Niveau sicherstellt. Und drittens eine eigene, gesetzlich verankerte Rechtsform, die mit einem klaren, öffentlichen Auftrag einhergeht.
Schlussfolgerungen für Österreich
Auch in Österreich hat die Politik nun erkannt, wie wichtig der Stiftungssektor für ein vielfältiges Forschungsfinanzierungssystem ist. Vor diesem Hintergrund lassen sich für den weiteren Ausbau dieses Sektors einige Schlüsse ziehen:
- Es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Mittel aus privaten, gemeinnützigen Stiftungen jetzt rasch Abhilfe für die aufgrund der fiskalischen Probleme entstandenen Schwierigkeiten bei der Finanzierung der Forschung in Österreich liefern können.
- Es ist aber dennoch zweckmäßig, langfristig darauf hinzuarbeiten, dass private gemeinnützige Stiftungen eine Rolle einnehmen, wie wir sie in anderen Systemen kennen. Die Funktion ist nicht nur die einer komplementären Finanzierung, sondern auch die einer strategischen Innovation. Das würde dem FTI-System in Österreich, das bislang stark auf eine aus dem Bundesbudget zur Verfügung gestellte und an die Logik der öffentlichen Verwaltung gebundene Finanzierung abgestellt ist, zweifellos gut tun.
- Die empirischen Ergebnisse der neuen Studie sollten vor allem auch dazu genutzt werden, einen informierten Dialog mit jenen zu führen, die bereits in der Forschungsförderung tätig sind – und jenen, die Interesse daran zeigen.
- Darüber hinaus sollte das Momentum genutzt werden, die bestehenden öffentlichen Stiftungen und Fonds weiterzuentwickeln, indem internationale best practice-Beispiele herangezogen werden.
Der FORWIT, als unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, erachtet es jedenfalls als zielführend, weiterhin an diesem Thema dranzubleiben.


