Zur Effizienz von Forschung, Technologie und Innovation in Österreich

Ende Mai hat der FORWIT seine jährliche Analyse des österreichischen FTI-Systems im Parlament präsentiert. Der FTI-Monitor beleuchtet international vergleichend die Leistungsfähigkeit des österreichischen FTI-Systems basierend auf mehr als 280 Indikatoren. Diese Analyse ist frei zugänglich und intuitiv angelegt und erlaubt unterschiedliche Perspektiven auf das FTI-System von den Rahmenbedingungen, über das Kernsystem und Querschnittsthemen hin zu dessen Wirkung.

Die folgende Zusammenfassung stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus der umfangreichen Analyse des FORWIT dar. Basierend auf der Live-Präsentation am 26. Mai 2025 konzentriert sie sich auf die Innovationsprozesse im FTI-Kernsystem durch die Gegenüberstellung von Policy-Indikatoren zur Leistungsunterstützung (Inputindikatoren) und Leistungsindikatoren (Outputindikatoren). Methodisch folgt die Effizienzmessung der Data Envelopment Analysis, einem multifaktoriellen Produktivitätsanalysemodell zur Schätzung der relativen Effizienz.

Die Darstellung beginnt bei einer kritischen Bestandsaufnahme der Effizienz des Wissenschaftssystems (inklusive Hochschule und außeruniversitäre Forschung und deren Finanzierung) und analysiert anschließend die unternehmerische FTI-Leistung in Österreich. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der anhand von Schlüsseltechnologien gemessenen Wettbewerbsfähigkeit in FTI, die als neue Kategorie in die Analyse aufgenommen wurde. Abschließend wird der Einsatz der transformativen Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz (KI) in österreichischen Unternehmen näher beleuchtet.

 

I. Effizienz und die Dimension Wissenschaft

Wissenschaftlicher Sektor

Der Kompositindikator Wissenschaft im Bereich D.2 Effizienz, der einen Mittelwert über alle zugehörigen Indikatoren darstellt, zeigt für Österreich eine relativ konstante Entwicklung unter dem Niveau der Vergleichsgruppen. Ein interessanter Vergleichspunkt ist Island, das seit 2024 zu den Top-3-Ländern zählt. Trotz seiner geringen Größe hat Island durch eine frühe und konsequente Fokussierung auf Nischen wie die Genomforschung und die zentrale Nutzung von Gesundheitsdaten eine weltweit führende Position erreicht. Dies unterstreicht, dass auch kleinere Volkswirtschaften durch eine klare forschungspolitische Schwerpunktsetzung und strategische Spezialisierung internationale Sichtbarkeit und Führungsrollen erlangen können. Österreich verfolgt demgegenüber einen stärker diversifizierten Ansatz, der auf die Breite des Innovationssystems abzielt.

Hochschulen und außeruniversitäre Forschung

F&E-Ausgaben: Gemessen als Anteil am BIP gehört Österreich mit Platz 2 (hinter Dänemark, vor Südkorea) zu den Top-Nationen. Dies deutet auf eine hohe politische Priorisierung von F&E hin. Auch beim tatsächlichen Mitteleinsatz pro Kopf (gemessen in US-Dollar zu Kaufkraftparitäten) liegt Österreich über dem Durchschnitt der Innovation Leaders, hier ist jedoch die Schweiz führend.

Anzahl der Forschenden: Hier liegt Österreich bei einem Wert von 2,35 (in Vollzeitäquivalenten). Auffällig ist Griechenland in den Top 3, was auf eine starke Konzentration der F&E-Aktivitäten im Staatssektor zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu ist die industrielle F&E-Basis im Vergleich zu Österreich schwach entwickelt.

Finanzierung

Privater Finanzierungsanteil: In Österreich werden rund 66,9 % der Bruttoinlandsausgaben für F&E (GERD) vom Unternehmenssektor finanziert. Obwohl dies zwei Drittel aller Ausgaben sind, liegt der Wert knapp unter dem EU-Durchschnitt. Ein hoher privater Anteil ist positiv zu deuten, da er auf eine starke Verknüpfung von F&E mit der Wertschöpfung hindeutet und damit auf eine marktnahe Innovationsdynamik. Irland ist hier aufgrund der Ansiedlung globaler Tech- und Pharmakonzerne, begünstigt durch niedrige Steuern, ein Top-Land.

Öffentliche Finanzierung (Hochschulsektor): Österreich investiert rund 0,6 % des BIP in die F&E des Hochschulsektors und zählt damit zu den Top-3-Ländern. Das Land verfügt traditionell über einen starken öffentlichen FTI-Sektor mit Universitäten, außeruniversitären Einrichtungen und Fachhochschulen. Dies unterstützt insbesondere die vielen Klein- und Mittelunternehmen (KMU), die F&E oft in Kooperation mit diesen Institutionen betreiben.

Indirekte Förderung: Die österreichische Forschungsprämie von 14 % ist ein starkes standortpolitisches Instrument, wird aber statistisch nicht dem privaten Finanzierungsanteil zugerechnet. Dies führt potenziell zu einer Unterbewertung des privaten Beitrags. Im internationalen Vergleich ist Österreich bei dieser Förderform leicht zurückgefallen und liegt auf Rang 9.

Projektfinanzierte Grundlagenforschung: Bei den projektbezogenen Mitteln für die Grundlagenforschung fällt die Pro-Kopf-Förderung in Österreich vergleichsweise niedrig aus, was auf ein unterdurchschnittliches Niveau im Vergleich zu den neun herangezogenen Ländern hindeutet.

Wissenschaftlicher Output: Publikationen

Anzahl der Publikationen: Pro 1.000 Einwohner liegt Österreich über dem EU-Durchschnitt. Die Schweiz – die eine besonders hohe Publikationsdichte vorweisen kann –, Dänemark und Norwegen führen hier.

Qualität der Publikationen: Gemessen am Anteil der Publikationen, die zu den weltweiten Top 10 % der am häufigsten zitierten gehören, zeigt Österreich eine hohe wissenschaftliche Relevanz. Insbesondere in den Bereichen Medizin, Physik, Materialwissenschaften und Informatik erzielt Österreich überdurchschnittliche Ergebnisse im Verhältnis zum Mitteleinsatz.

II. Die Dimension Technologie: Unternehmens-FTI

F&E-Ausgaben der Unternehmen: Als Anteil am BIP liegt Österreich hier weit über dem EU-Durchschnitt und dem Benchmark der Innovation Leaders. Führende Nationen wie Israel, Südkorea und die USA werden jedoch von milliardenschweren Konzernen in Sektoren wie Rüstung, Biotech und IT angetrieben, während Österreichs Sektor stark KMU-lastig ist und ähnlich wie Deutschland und Schweden ein breites Produktportfolio aufweist.

Innovierende Unternehmen: Die Anzahl innovierender Unternehmen ist leicht rückläufig. Dies hat methodische Gründe (eine strengere Definition von Innovation in der Erhebung), wirtschaftliche Ursachen (Unsicherheit durch Pandemie, Inflation) und strukturelle Gründe (sinkende Innovationsaktivitäten in traditionellen Branchen).

Kooperationen mit Hochschulen: Auch die Kooperationen sind rückläufig, was ebenfalls auf eine geänderte Erhebungsmethodik zurückzuführen ist. Es werden nur noch klar definierte Projekte gezählt und keine reinen Netzwerktreffen oder Veranstaltungen wie in der Vergangenheit.

Exportqualität: Gemessen am Preis als Proxy für den Technologiegehalt zeigt Österreich eine deutliche Steigerung. Dies ist auf industriespezifische Spezialisierung und die Entwicklung hin zu technologieintensiven Komponenten zurückzuführen, wird aber auch durch die Inflation beeinflusst.

Wissensintensität der Exporte: Der Anteil von Produkten mit mittlerer bis hoher Technologieintensität ist in Österreich relativ stabil, was auf eine breite und diversifizierte Exportstruktur hindeutet. Im Gegensatz dazu hat Ungarn einen engeren Exportfokus (z. B. Automotive), wobei die Wissensintensität oft durch die Produktion für ausländische Konzerne entsteht, während die F&E anderswo stattfindet.

Innovationsumsatz von KMU: Hier zeigt sich ein markanter Rückgang, der vor allem auf wirtschaftliche Unsicherheiten sowie eine Umverteilung von Investitionen zurückzuführen ist – weg von marktfähigen Produktinnovationen hin zu unternehmensinternen Optimierungsmaßnahmen, insbesondere im Bereich der Digitalisierung und Automatisierung. In der Folge gelangen derzeit weniger Innovationen mit Skalierungspotenzial in den Markt. Hinzu kommt, dass technologische Innovationen in der Regel längere Entwicklungs- und Vorlaufzeiten erfordern, bevor sie wirtschaftlich wirksam werden.

III. Wettbewerbsfähigkeit und Schlüsseltechnologien

Innovation ist ein zentraler Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit. Der FTI-Monitor wurde daher um den Bereich D.3 Wettbewerbsfähigkeit in FTI erweitert, der anhand von Schlüsseltechnologien analysiert wird. Als Basis dienen Patentdaten, die als robuster Indikator gelten. Die Analyse basiert auf fünf Größen: (i) Anzahl der Patente beim Europäischen Patentamt (EPO), (ii) Patente pro Kopf zur internationalen Vergleichbarkeit, (iii) Revealed Technological Advantage (RTA) als Maß für die technologische Spezialisierung, (iv) Triadische Patente (Anmeldungen in EU, USA, Japan) als Hinweis auf die kommerzielle Bedeutung, (v) Zitationsgewichtung als Hinweis auf die Qualität.

Österreich reicht die meisten Patente in den Bereichen Produktionstechnologien, digitale Technologien (insbesondere Mikro-/Nanoelektronik) und Materialtechnologien ein. Ein Beispiel zeigt, dass eine hohe nationale Spezialisierung (hoher RTA) nicht automatisch zu einer internationalen Spitzenposition führt: Im Bereich Internet der Dinge (IoT) hat Österreich zwar eine überdurchschnittlich hohe Spezialisierung, belegt im internationalen Vergleich aber nur Rang 19. Im zeitlichen Vergleich von 2015-2019 zu 2020-2022 zeigt sich ein Rückgang in der Robotik (sowohl bei Patentanmeldungen als auch bei der Spezialisierung), während sich Österreich in der Photonik und bei fortgeschrittenen Werkstoffen verbessert hat. Die qualitative Bedeutung der Patente, gemessen an Zitationen, war in fast allen Technologiebereichen in den Jahren 2020-2022 geringer als im vorangegangenen Zeitraum.

Fokus: Künstliche Intelligenz (KI)

Im Bereich der Künstlichen Intelligenz schneidet Österreich in allen Indikatoren unterdurchschnittlich ab. Es kommen kaum fortgeschrittene KI-Verfahren wie maschinelles Lernen zum Einsatz; stattdessen werden vor allem Textanalysen und Chatbots genutzt. Der Einsatz erfolgt meist isoliert in einzelnen Abteilungen, es fehlt eine strukturierte Vorgehensweise in der Implementierung und die strategische, unternehmensweite Integration. Als Barrieren werden mangelnde Kompetenz, hohe Kosten und Datenschutzbedenken genannt. Bemerkenswert ist jedoch, dass die meisten befragten Unternehmen angeben, aktuell noch keinen Nutzen im Einsatz von KI zu sehen.

IV. Fazit

Österreichs FTI- und Wissenschaftssystem präsentiert sich als ein komplexes Gefüge mit deutlich erkennbaren Stärken und gleichzeitig bestehenden Herausforderungen. Die Analyse zeigt, dass das Land über eine bemerkenswert hohe wissenschaftliche Qualität und Produktivität verfügt, die sich in der internationalen Anerkennung österreichischer Forschungsleistungen widerspiegelt. Besonders hervorzuheben ist die traditionell starke Forschungskooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, die eine wichtige Brücke zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischer Anwendung schlägt. Diese enge Verzahnung manifestiert sich auch in den technologieintensiven Produktexporten, die Österreichs Position als innovativer Wirtschaftsstandort unterstreichen.

Trotz positiver Aspekte macht die Analyse auch strukturelle Schwächen deutlich, die die künftige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs gefährden könnten. Insbesondere zeigen sich erhebliche Defizite bei der Einführung und strategischen Nutzung Künstlicher Intelligenz sowie in der umfassenden Digitalisierung der Wirtschaft. Diese Felder entwickeln sich zunehmend zu zentralen Treibern internationaler Standortattraktivität – umso bedenklicher sind die bestehenden Rückstände. Hinzu kommt ein gravierender Mangel an privatem Risikokapital, der die Entwicklung von Start-ups und Spin-offs hemmt und somit die Dynamik im Innovationsökosystem einschränkt. Darüber hinaus bleibt das Potenzial zur wirtschaftlichen Verwertung wissenschaftlicher Erkenntnisse bislang unzureichend ausgeschöpft – ein Indiz dafür, dass die Transformation von Forschungsergebnissen in marktfähige Innovationen noch nicht durchgängig gelingt.

Die Gesamtbetrachtung macht deutlich, dass Forschung, Technologie und Innovation weiterhin zentrale Säulen der österreichischen Wirtschafts- und Standortpolitik darstellen. Um im verschärften internationalen Wettbewerb nicht zurückzufallen, sind kontinuierliche und strategisch ausgerichtete Investitionen unerlässlich. Dabei gilt es, die vorhandenen Stärken zu bewahren und gleichzeitig gezielt an den identifizierten Schwächen zu arbeiten, um Österreichs Position als innovativer Standort langfristig zu sichern.